DIe Leere

wie ich zu der Geschichte, die ich übersetzte, gekommen bin

Mein Name ist Rüdiger Uckert; geboren in Essen und meine Person ist für die folgenden Aufzeichnungen nur insofern von Bedeutung, als dass ich diese Geschichte, Rückblende oder wie immer man sie bezeichnen möchte erhalten und ins deutsche übersetzt habe. Anfangen möchte ich mit dem „Finden“ der niedergeschriebenen Erlebnisse, die vom Hauptakteur und dem eigentlichem Verfasser der nächsten Seiten stammen: Winston Edelmann – ein Pseudonym, aber dazu mehr am Ende des Buches.
Beschäftigt war ich zu jener Zeit in Prag als Geschäftsführer eines Marketingunternehmens. Aufgrund der bei uns zahlreich beschäftigten Grafikern, waren wir alle mit Applecomputer ausgestattet. Am Abend des 6. Mai 2008, so gegen 18:45, ich bereitete mich auf ein Meeting für den folgenden Tag vor, spielte mein Mac verrückt – wieder einmal. Doch diesmal stürzten die Programme nicht ab (und alle nicht gesicherten Eingaben gingen wieder einmal verloren), sondern es blitzte am Bildschirm. Verrückte Zeichen, abstrakte, bunte Bilder, irgendwelche Symbole, wenn es denn solche waren, skizzenhafte Objekte und irre Farbspiele, die ich nie zuvor gesehen hatte, erschienen. Ich war mal wieder stink sauer – im ersten Moment. Dann erwachte doch meine Neugierde für diese recht neuartigen Bilder. Und plötzlich, ich wollte den Mac dann doch re-starten, ich musste mich schließlich auf das Meeting vorbereiten, entdeckte ich Buchstaben - einzelne Buchstaben, die zunächst keinen Sinn ergaben. Doch schnell erkannte ich, dass die Buchstaben sich zunächst zu Wortfragmenten und dann, nach wenigen Augenblicken, zu Wörtern, Sätzen und schließlich zu einer ganzen Textpassage zusammensetzten.
Ich fragte meine mir gegenüber sitzende Assistentin, ob sie die gleichen Probleme hätte. Mit einem in Arbeit versunkenen etwas ärgerlichem „Nein“ als Antwort, auf Grund der fortgeschrittenen Stunde, richtete ich kommentarlos meinen Blick wieder auf den Bildschirm. Dort las ich in einem eigenartigen Englisch zu meiner Überraschung: „Ich schätze, dass um das Jahr 10180 die letzten Menschen ihr Licht ausgelöscht hatten. Die ganze Welt eine riesige Geisterstadt. Der ganze australische Kontinent eine riesige, verlassene, aber blitzsaubere Stadt. So wie die anderen sieben…“ Ich dachte: „Hey, tolle Story! Wie geht es weiter?“
Nun, es ging weiter. Und die folgende Geschichte, davon bin ich 100%-ig überzeugt, ist kein Hoax o.ä. (wer hätte sich schon die Mühe gemacht und für einen Scherz über 300 Seiten geschrieben?). Die Tagebuch ähnlichen Eintragungen sind auf der einen Seite zu absurd, zu abgehoben und zu weit jenseits jeglicher Grenzen der üblichen Sci-Fi Geschichten angesiedelt, aber gleichzeitig beängstigend realitätsnah, als dass jemand aus der Jetztzeit dies verfasst haben könnte. Gerade weil obligatorische Sci-Fi Elemente, wie Überlichtgeschwindigkeit oder ein Hyperraum nicht erwähnt werden, klingen die Erlebnisse aus physikalischer Sicht plausibel. Ebenso werden Themen wie Umwelt und Ökonomie – für die nahe Zukunft - auf eine subjektiv, persönliche Art behandelt, wie sie normalerweise nicht in Sci-Fi Romanen betrachtet werden. Ich weiß nicht wie und warum, aber die folgenden Seiten sind aus einer weit, sehr weit entfernten Zukunft auf meinen Mac gekommen. Lest und entscheidet, ob ihr meine Meinung teilt.
Anmerkung: An einigen Stellen des Textes bezieht sich der Verfasser auf Ereignisse und Jahreszahlen, die nicht in den gefundenen Schriften vorhanden waren. Ich gehe davon aus, dass in der Nacht vom 6. Mai nicht alle Eintragungen auf meine Computer gelangt sind.