Der vorletzte Teil des Reiseberichts von Winston Edelmann handelt von seinen Erlebnissen in einem Schwarzen Loch. Gut, richtige Erlebnisse werden es nicht sein, denn Winston langweilt sich im Grunde wahnsinnig – er verbringt schließlich mehrer Milliarden Jahre in dem Nichts. Aber immer wieder erscheinen ihm videoartige Clips, die Informationen von allen möglichen Ecken des Universums zeigen und für ein wenig Abwechslung sorgen. Hier der erste Clip:
Einer der ersten vorgeführten Filme, an die ich mich erinnere, war einer der sonderbarsten. War ein richtiger Science Fiction Movie. Ich erkannte Wesen, die prinzipiell wie ich aussahen. Also einen Kopf mit zwei Augen, die allerdings weiter auseinander lagen, so dass an der Kopfseite links und rechts kleine Ausbuchtungen zu erkennen waren. Mit einem Mund, der breiter angelegt war und keine Lippen aufwies. Dafür konnte ich eindeutig zwei Nasen links und rechts oberhalb der Mundwinkel ausmachen, die aber jeweils nur ein Nasenloch hatten (damit man wohl in Stereo riechen konnte). Die Ohren schienen hinter den Ausbuchtungen für die Augen zu liegen. Der Körper war dem meinem nicht unähnlich, wobei er insgesamt etwas größer erschien, wenn ich die Proportionen zum Hintergrund richtig abschätzte. Die Szene spielte in einem schönen, sauberen Park mitten in einer Stadt mit einem türkisfarbenen Himmel, in dem Wolken mit amüsanten rechteckigen Formen langsam vorbeischwebten. Als Fortbewegungsmittel benutzte man schwebende Roller, der Platz für ein halbes Dutzend Personen bot und ganz allgemein kam mir die Art der Straßengestaltung vertraut vor. Auch wenn ich die Schriftzeichen, die ich als recht eckig und verwirrend empfand, nicht lesen konnte, so muss es sich dennoch um Reklame gehandelt haben. Die Gebäude waren denen auf der Erde nicht unähnlich. Türen, Fenster und Außenfassade kamen mir bekannt vor. Ich erkannte Auslagen für Kleidung und Lebensmittel und Straßenleuchten und Verkehrsampeln kamen ins Blickfeld. Die Verschönerung des Stadtviertels wurde mit blumen- und baumähnlichen Dingen gestaltet. Diese Dinge schienen einen eigenständigen Bewegungsapparat zu besitzen. Ich nenne sie einfach Pflanzen, auch wenn ich viele tierische Eigenschaften ausmachte. Diese Pflanzen konnten sich zwar nicht fortbewegen, schienen aber nach irgendwelchen Insekten oder Futter zu greifen und hatten maulähnliche Öffnungen. Auch waren die Farben der Pflanzen weniger grün, rot oder gelb, sondern ocker, beige und braun und die Oberfläche erweckte eher den Eindruck von einem Fell oder Leder. Dafür zeigten die Tiere starke pflanzliche Merkmale. Ich erkannte Vögel, die den irdischen sehr ähnlich waren und hundeähnliche Kreaturen, die einen prägend sanften, fast schwebenden Gang hatten und sich mehr mit dem Lufthauch zu bewegen schienen, als aus eigener Muskelkraft.
Plötzlich gerieten alle Lebewesen, einschließlich der Pflanzen und Tiere in Panik. Die Pflanzen vergruben sich in die Erde und die Aliens flüchteten in die Gebäude, wobei ich glaube, dass sie versuchten, in Bunkern Sicherheit zu finden. Von oben herab schoss ein metallenes Etwas, das aber den unmissverständlichen Eindruck eines Lebewesens hinterließ. Ich erwartete, dass jetzt so ein richtiger Angriff mit Bomben und Granaten folgen würde, aber nichts dergleichen. Stattdessen landete das Wesen in recht aggressiver Weise auf dem Platz und rings um das Wesen breiteten sich unmittelbar nach der Landung wellenförmig Strahlen aus, die nur durch die flimmernde Luft zu erkennen waren. Einige Aliens, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnten, erstarrten in ihrer Fluchtbewegung, nachdem sie von den Wellen getroffen wurden. Es vergingen einige Sekunden und dann zerfiel das raumschiffartige Wesen in abertausende Bruchteile. Die einzelnen Bruchstücke liefen insektenartig zu allen ersichtlichen Lebewesen und begannen diese in einen Kokon einzuwickeln. Dann wurden alle Kokons, rund zehn an der Zahlt, zum Landeplatz gebracht und in der Mitte akkurat gestapelt. Die Bruchstücke bildeten einen Kreis um die Kokons, formten sich wieder zu dem anfangs erwähnten Raumschiff und flogen davon. Unmittelbar nach dem Take off kamen die Aliens wieder zum Vorschein und keiner schien irgendwie besorgt zu sein oder sich um die Entführten zu kümmern. Das Leben schien einfach weiter zu gehen. Allerdings verschwand plötzlich der Text auf den von mir als Werbetafeln interpretierten Leuchtschildern und neue Informationen in einer grellen Form tauchten auf. Dies schien alle Bewohner der Stadt sehr zu interessieren. Denn ausnahmslos alle Wesen unterbrachen augenblicklich ihre momentane Tätigkeit, hielten inne und blickten gebannt auf die Anzeigen. Anschließend schauten sie auf ihr linkes Handgelenk, so wie wir immer auf die Uhr geschaut haben, stellten an einem Gerät etwas ein, setzten ihr Leben fort und der Spot entschwand. Ende.